Watson und Apple Pie

Die letzten Äpfel, die noch im späten Oktober an einem kleinen Baum mit langen Zweigen hängen, sind kräftig rot. Äpfel dieser Sorte hingen vermutlich schon im19. Jahrhundert als Weihnachtsäpfel an Christbäumen.

Es ist ein Winterapfel, so die Klassifikation von Pomologen. Der Rote Jonathan ist eine alte Apfelsorte, die ursprünglich aus den USA stammt. Davon sind im Laufe der Jahrzehnte diverse Varianten entstanden, im heimischen Garten steht ein Roter Jonathan Watson, sagten mir  Pomologen, die den Apfel bestimmten.

[nggallery id=11]Der Baum ist zwar schwach wüchsig, trägt aber gut und ist wenig anfällig. Die Baumscheibe mit reifem Kompost bedeckt, hat bislang stets geholfen, dazu ein vorsichtiger Schnitt der teils sehr langen Zweige.

Die Äpfel sind säuerlich und knackig saftig. Genussreife ist ab November, gut gekühlt sind sie etliche Wochen lagerfähig, was bei uns mangels Masse jedoch nicht vorkommt.

Rezept: Gedeckter Apfelkuchen

Der Rote Jonathan schmeckt frisch am besten, aber es lässt sich auch eine Apple Pie daraus herstellen. Hier ein Rezept für einen gedeckten Apfelkuchen, der wegen der Decke saftig bleibt:

Für den Mürbeteig:

Mehl (ich bevorzuge das cremig-gelbe Dinkelmehl, Type 630), Butter und Zucker, eine Prise Salz, etwas Natron, ein Ei zu einem glatten Teig rühren und kneten, der nicht mehr fettig klebt, aber auch nicht mehlig trocken ist. Test: Der Teig lässt sich mit den Händen kneten, ohne dass er anklebt.

Beim Mürbeteig braucht man nicht unbedingt ein Ei. Dann aber etwas mehr Fett. Natron ist ebenfalls nicht notwendig, weil Mürbeteig kein Triebmittel braucht. Eine Prise Natron macht den ansonsten leicht säuerlichen Kuchen aber bekömmlicher. Ich gebe dem Teig auch noch etwas Vanille zu, echte natürlich.

Zu den Mengenangaben: Ich brauche keine Waage, da ich viele Kuchen bereits hergestellt habe. Daher reicht das Augenmaß. Ansonsten: etwa 200 Gramm Dinkelmehl (darf auch weißes Weizenmehl sein), etwa 150 g Butter (ich schätze Margarine nicht besonders), etwa 50 g Zucker (darf mehr sein, aber ich bevorzuge einen säuerlichen Geschmack des Apfelkuchens).

Zwei Drittel des Mürbeteigs in einer gefetteten Springform ausrollen, den Rand etwa zwei Zentimeter hochziehen. Kühl stellen, ebenso wie das verbleibende Drittel, das später für den Deckel ausgerollt werden wird.

Für die Füllung:

Etwa acht Äpfel schälen, entkernen und in dünne Scheiben schneiden. Bei Äpfeln, die schnell oxidieren, sollte Saft einer Zitrone genutzt werden. Apfelstücke leicht zuckern, eine Prise Zimt (nicht zu viel, denn der Kuchen soll nach Apfel, nicht nach Zimt schmecken. Und: Ceylon-Zimt benutzen, denn der enthält kaum Cumarin, das in der Sorte Cassia steckt. Cumarin in höherer Dosis gilt als bedenklich für die Nieren, besonders bei Kleinkindern. Darauf ist gerade in der Weihnachtsbäckerei zu achten.) Apfelmasse in die Springform füllen.

Der Deckel:

Und fertig ist der gedeckte Apfelkuchen. © Manfred Pantförder
Und fertig ist der gedeckte Apfelkuchen. © Manfred Pantförder

Das gekühlte Teigdrittel ausreichend mehlen, dies ist wichtig, damit es nicht am Nudelholz festklebt. Teig auf gemehltem Backpapier oder Pergamentpapier (billiger) dünn ausrollen, bis auf die Größe der Springform. Mit etwas Übung lernt man auch, den Teig gleich annähernd rund auszurollen. Papier mit Teig anheben und kopfüber auf die Apfelmasse in der Springform kippen. Papier vorsichtig abziehen. Deckel am Rand einmal rundum leicht andrücken. Überschüssigen Deckelrand abschneiden. Sind Löcher entstanden, diese mit den Teigresten flicken. Das ist wichtig, denn wenn der Deckel nicht dicht ist, entweicht beim Backen viel Saft, und der Kuchen wird dröger.

Kuchen im Backofen, zunächst unten, die letzten Minuten dann zum Bräunen mittig oder noch weiter oben, bei 180 Grad etwa 45 Minuten lang backen. Zeit hängt vom Ofen ab, daher besser beim ersten Mal beobachten.

Kuchen nach einigen Minuten von der Springform befreien, nach Erkalten mit Puderzucker berieseln. Gegessen wird das gute Stück dann mit einem Schlag Sahne (schmeckt aber auch ohne). Dieser Apfelkuchen ist schlicht und gleichwohl optisch wie geschmacklich vollkommen überzeugend.

 

 

Autor: Manfred Pantförder

Redakteur

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.