Maronenröhrling 30 Jahre nach Tschernobyl

Maronenröhrling, Maronenroehrling, Cäsium, Wald, Tschernobyl

Der Maronenröhrling ist ein verbreiteter und beliebter Wildpilz. In manchen Gegenden allerdings ist der Gehalt an Cäsium auch 30 Jahre nach dem Tschernobyl-GAU mit anschließendem Fall-out noch erheblich. Worauf in der Pilzsaison zu achten sein wird.

Es soll die Lust auf die Marone, wie der Maronenröhrling verkürzt meist von Pilzsammlern genannt wird, nicht schmälern. Jedoch sollte er dann entsprechend maßvoll gegessen werden. Eine Übersicht über die Landschaften, wo der radioaktive Regen 1986 in Deutschland und Europa niederging, ist beim Bundesamt für Strahlenschutz zu finden.

Betroffen seinerzeit waren besonders einige Wälder in Bayern, laut Bundesamt in Südbayern und dem Bayerischen Wald. Es betrifft all jene Gegenden, die das Pech hatten, dass nach dem GAU radioaktiver Regen niederging und Cäsium-137 auf Bäume und Böden gelangte.

Und heute sieht die Bilanz noch immer teils düster aus: In den Jahren 2011 bis 2015 seien bei Stichproben teils mehrere Tausend Becquerel bei Pilzen als auch bei Wildfleisch pro Kilogramm gemessen worden. Erlaubt sind 600 Becquerel pro Kilogramm. Bei den betroffenen Wäldern gibt es aber sehr große lokale und feine Unterschiede, sodass man nicht pauschal von Verstrahlung in Bayern oder Süddeutschland reden sollte.

Maronenröhrling darf nicht vermarktet werden

Da der Maronenröhrling als wilder Speisepilz nicht vermarktet werden darf – nur zum persönlichen Verbrauch ist das Sammeln in Deutschland aus Naturschutzgründen gestattet –, sind vorrangig Pilzfreunde gut beraten, sich die Karten des Strahlenschutzamtes anzusehen und danach die entsprechenden Gebiete zu meiden, die noch besonders belastet sind. Für seine Gesundheit ist schließlich jeder Pilzsammler selbst verantwortlich, man sollte das mögliche Risiko also kennen, da ein Messgerät den wenigsten zu Verfügung stehen sollte. Auf der sicheren Seite ist in jedem Fall, wer nur gelegentlich ein paar Maronenröhrlinge in die Pfanne und auf den Teller bringt.

Generell gilt, dass Pilze im Wald bestimmte Schadstoffe, zu denen auch Schwermetalle wie Blei gehören, aus dem Boden ziehen. Also ist auf den Standort zu achten, ob eventuell andere Quellen von Belastung möglich sein könnten.

Bei Cäsium-137 und dessen Verfallszeit zählen ein paar Jahre relativ wenig. Der verstrahlte Boden in bestimmten Waldgegenden verändert sich nur allmählich. Der ökologische Kreislauf im Wald führt dazu, dass auch Belastungen dort verbleiben.

Wildfleisch und Cäsium-137

Das betrifft übrigens auch manches Stück Wildfleisch, vor allem Wildschwein, wie erst unlängst Messungen in österreichischen Wäldern ergaben.

Pauschale Urteile über die Belastung dieses Fleisches verbieten sich zwar, denn nicht jede Region, nicht jeder Waldboden war vom radioaktiven Fall-out gleichermaßen betroffen.

Aber teils wurden siebenfache Überschreitungen des Grenzwertes von 600 Becquerel pro Kilogramm Fleisch festgestellt, so Angaben der Ages, der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit.

Bei Beeren und Pilzen seien die Werte fast durchgängig unter dem Grenzwert von 600 Bq/kg geblieben, heißt es weiter bei der Ages.

Autor: Manfred Pantförder

Redakteur

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.